Wohnen in einer Genossenschaft

Was ist oder bedeutet eigentlich "eine Genossenschaft"?

Die Wohnungsgenossenschaften in Deutschland entwickelten sich Mitte des vorigen Jahrhunderts während der Industrialisierung in den Städten. Ziel war es, vielen Menschen, die allein, mit geringem Einkommen und hilflos, zusammen aber einen Wirtschaftsfaktor darstellen, ein Dach über dem Kopf zu bieten.

Im Jahr 1889 beschloss der Reichstag das Genossenschaftsgesetz, in dem festgelegt wurde, dass die Mitglieder nicht mit ihrem gesamten Vermögen, sondern mit der Höhe ihrer eingezahlten Genossenschaftsanteile hafteten.

Aus den ersten bescheidenen Anfängen entwickelten sich bis heute ca. 2000 Wohnungsgenossenschaften in Deutschland.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Genossenschaften und anderen Wohnungsvermietern?

Selbsthilfe, Mitbestimmung, Selbstverantwortung sind die Grundsätze der genossenschaftlichen Solidargemeinschaft. Daher ist es den Genossenschaften verboten, mit dem erwirtschafteten Vermögen zu spekulieren oder höchstmögliche Gewinne zu erzielen, was bedeutet, dass die Mieten günstig gehalten werden können.

Sind Genossenschaftswohnungen grundsätzlich preiswerter als die üblichen Wohnungsunternehmen?

Wohnungsgenossenschaften sind wie die meisten Unternehmen den Gesetzen des Marktes unterworfen. Sie haben aber gut erhaltene Altbestände und müssen bei Wohnungsangeboten nicht an Mieteinnahmen, was der Markt gerade hergibt sondern ausschließlich kostendeckend arbeiten.

Was bedeutet das Dauerwohnrecht in der Genossenschaft?

In Genossenschaften werden Dauernutzungsverträge abgeschlossen. Das bedeutet, dass Ihnen als Miteigentümer die Wohnung nur bei groben Verstößen gegen die durch von allen Mitglieder aufgestellte Satzung kündbar ist. Kein Eigentümer droht Ihnen mit Kündigung und Eigenbedarfsklagen. Schließlich sind Sie ja Miteigentümer der Genossenschaft.

Was sind die Satzung und Organe der Genossenschaft?

Die Satzung kann man als Verfassung der Genossenschaft ansehen. Sie wird von allen Mitgliedern der Genossenschaft aufgestellt und regelt den Zweck der Genossenschaft sowie die Rechte und Pflichten der Mitglieder, des Aufsichtsrates und Vorstandes.

Wichtigstes Organ der Genossenschaft ist die Mitgliederversammlung. In ihr hat jedes Mitglied eine Stimme. Die Mitglieder wählen den Aufsichtsrat. Der wiederum bestellt den Vorstand der Genossenschaft. Der Aufsichtsrat hat die Aufgabe, den Vorstand in allen Angelegenheiten zu beraten zu kontrollieren und hilfreich zur Seite zu stehen.

Was passiert mit den Genossenschaftsanteilen?

Alle eingezahlten Anteile sowie die Rücklagen bilden das Eigenkapital der Genossenschaft. Auf die eingezahlten Anteile erhalten Sie gem. der Mitgliederversammlung eine Dividende.

Bin ich Miteigentümer meiner Wohnung in der Genossenschaft?

Nein. Sie haben zwar als Genossenschaftsmitglied eine eigentumsähnliche Sicherheit, aber das Miteigentum bezieht sich nicht auf eine spezifische Wohnung sondern auf die Genossenschaft als Wohnungsunternehmen. Nochmal, Eigentümer der Grundstücke, Häuser und Wohnungen ist immer die Genossenschaft, damit auch für spätere Generationen bezahlbare Wohnungen verfügbar sind!

Darf ich in meiner Genossenschaftswohnung etwas verändern und wer kümmert sich um notwendige Reparaturen?

Grundsätzlich nein. Bauliche Veränderungen müssen immer von der Geschäftsführung bzw. dem Vorstand mit evtl. notwendigen Auflagen genehmigt werden.
Kleine Reparaturen und Instandhaltung erledigen die Mieter nach Ihren Fähigkeiten selbst. Größere Reparaturen, insbesondere an Sicherheitseinrichtungen sind Sache der Genossenschaft.